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Viele Kirchen und Gemeinden stehen heute vor der Herausforderung, junge Erwachsene aktiv in das Gemeindeleben einzubinden. Häufig fühlen sich junge Menschen von traditionellen Strukturen und Entscheidungsprozessen ausgeschlossen oder wenig gehört. Gleichzeitig sucht die Kirche nach Wegen, neue Impulse und frische Perspektiven zu integrieren, um zukunftsfähig zu bleiben.
Hier könnte das Systemische Konsensieren (SK) helfen, diesen Dialog auf eine neue, kooperative Basis zu stellen. SK ist eine Methode zur Entscheidungsfindung, die auf den Prinzipien der Konfliktminimierung und Kooperation beruht. Sie wurde in den 1990er Jahren von Erich Visotschnig und Siegfried Schrotta entwickelt. Im Gegensatz zu klassischen Abstimmungsverfahren, bei denen oft die Mehrheit gewinnt und die Minderheit verliert, fokussiert das Systemische Konsensieren auf die Minimierung von Widerständen innerhalb einer Gruppe. → Erklärvideo der evangelischen Kirchengemeinde Monheim
Eine Gruppe soll sich für ein gemeinsames Essen entscheiden. Die Teilnehmenden machen Vorschläge, über die dann abgestimmt wird.
Bei einer klassischen Mehrheitsentscheidung gewinnt das Gericht, das den meisten schmeckt. Es wird aber nicht berücksichtigt, dass es auch Menschen gibt, die dieses Gericht (eine Fischplatte) so ungenießbar finden, dass sie es nicht essen können.
Beim systemischen Konsensieren wird umgekehrt gefragt. Die Teilnehmenden geben für jedes Gericht an, wie viele Widerstände sie dagegen haben. Dies führt zu einer für die Gruppe tragfähigeren Entscheidung: ein Gericht, das für alle genießbar ist.
Dieses Beispiel ist auch im folgenden Video zu sehen: Nach Konsens wählen: Das bessere Wahlsystem? | Quarks
Konsensieren – ob systemisch oder andere Varianten wird von verschiedenen christlichen Gruppen als ein Entscheidungsverfahren betrachtet, das dem christlichen Verständnis von Gemeinschaft und Einheit entspricht, wie es z.B. der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) in seiner Richtlinien für die Ordnung der Sitzungen betont. Der ÖRK erinnert daran, dass die Kirche in einer Welt voller Spannungen und Konflikte als ein Ort des gegenseitigen Respekts und der Zusammenarbeit Zeugnis ablegen muss, indem sie den Glauben lebt, der „durch die Liebe tätig ist“ (Galater 5,6). Konsensverfahren reflektieren das Wesen der Kirche, wie es im Neuen Testament beschrieben wird, indem sie die Vielfalt der Gaben und Perspektiven aller Mitglieder einbeziehen (vgl. 1. Korinther 12,12-27). Anstatt durch Mehrheitsentscheidungen Gewinner und Verlierer zu schaffen, fördert das Konsensieren eine Entscheidungsfindung, die auf Gebet, Beratung und gemeinsamer Verantwortung basiert. Dies stärkt die Gemeinschaft, indem alle gehört und respektiert werden und gemeinsam nach dem Willen Gottes gesucht wird (vgl. Epheser 5,17). So entsteht ein Raum, in dem die Kirche als Leib Christi in ihrer Einheit erkennbar wird und Entscheidungen im Geist des Heiligen Geistes getroffen werden (vgl. Apostelgeschichte 15,28).
An dieser Stelle ist nur der methodische Kernablauf beschrieben. Je nach Gruppe, Komplexität des Entscheidungsgegenstandes und der zeitlichen Ressourcen können Variationen durchgeführt werden. So z.B., können vor der Vorschlagssammlung Kriterien für eine gute Lösung zusammengetragen werden, oder mehrere Konsensierungsrunden zu Teilaspekten durchgeführt werden.
Für viele Junge Erwachsene ist das Engagement in Gremien unattraktiv. Junge Erwachsene sind dennoch eine Gruppe, die nicht nur frische Ideen mitbringt, sondern auch nach Beteiligung und Verantwortung (ohne Überforderung) sucht, insbesondere wenn es um die Gestaltung ihrer Kirche und Gemeinde geht. Der Zugang zu Entscheidungsprozessen und die Möglichkeit, tatsächlich Einfluss zu nehmen, sind dabei entscheidend für ihre langfristige Bindung an die Kirche.
Systemisches Konsensieren bringt mehrere Vorteile mit sich:
Angebot der EEB-Sachsen: SK-Seminar in Dresden 11.09.-12.09.2025